Polyloge Information

Groups impossible? Gelingende Körper- und Bewegungspsychotherapiegruppen in Corona Zeiten!

19.05.2021, 19.00 Uhr

Die Erfahrungen in der Gruppe gehören zu den wichtigsten zwischenmenschlichen Erfahrungen im Leben des Menschen. Gruppentherapien haben daher eine äußerst große Bedeutung in Zeiten von Corona, wo öffentliche Gruppenzusammenkünfte größtenteils verboten sind. Durch die Einschränkungen auch in der klinischen Gruppenarbeit bzw. die Reduktion auf das Online-Medium klagen viele Therapeuten über vielfältige Probleme in der Gruppenarbeit. Statt der “group impossible” zeigen Ingrid Braunbarth und Martin J. Waibel Möglichkeiten auf, Gruppenarbeit in diesen Zeiten effektiv, wirksam und hilfreich durchzuführen. Zum einen in der klinischen Arbeit bei Präsenzgruppen, zum anderen in der Arbeit mit Onlinegruppen.

Frau Braunbarth und Herr Waibel haben bereits 2019 in einer vielbeachteten Publikation zum Thema stationärer Körper- und Bewegungspsychotherapiegruppen, Lösungsansätze unter schwierigen Bedingungen veröffentlicht (Zeitschrift Körper – Tanz – Bewegung, 3-2019, Reinhardt Verlag) zum freien Download unter: https://www.fpi-publikation.de/integrative-bewegungstherapie/02-2020-waibel-m-j-braunbarth-i-herausforderungen-chancen-und-probleme-der-koerper-und-bewegungspsychotherapie-in-der-aktuellen-gruppentherapie/

Sie werden in diesem Polylog sowohl Alternativen als auch neue Formen der Interventionsmöglichkeiten vorstellen.

Teilnahmebeitrag: 10 EURO, 5 EURO Studenten, DGIB/DGIK/DGT Mitglieder frei.

Datum: 19.05.2021, 19.00 Uhr (Dauer ca. 2 Stunden)

Ingrid Braunbarth
arbeitet seit über 20 Jahren mit bewegungstherapeutischen Gruppen an psychosomatischen Akut- und Reha-Kliniken.
Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Patient*innen mit Angst/Panik- sowie Traumafolgestörungen, wo sie spezifische bewegungstherapeutische Vorgehensweisen entwickelt hat. Sie arbeitet während der Corona-Pandemie weiter mit Gruppen in Präsenz.

 

 

Martin J. Waibel
Leitete u. a. eine Abteilung an einer psychosomatisch-psychotherapeutischen Akut- und Rehaklinik mit den verschiedensten spezialtherapeutischen Berufsgruppen nach einem integrativen Modell. Zuletzt arbeitete er  in einem Team bei Patient*nnen mit psychosomatischen Schmerzerkrankungen. Er arbeitet während der Corona-Zeit in eigener Praxis weitgehend sowohl in Präsenz als auch online mit Gruppen in Bildungsbereich, in der Supervision und in der Selbsterfahrung und Therapie.

Bildung ist ein zentraler Bestandteil unseres erfolgreichen bewegungstherapeutischen Handelns.

Gerade im Jahr 2020 mussten jedoch viele von uns zum ersten mal erkennen, wie auch unsere Weiterbildungsmöglichkeiten durch die Pandemie erheblich eingeschränkt wurden.

Doch: es muss weitergehen!

Wir haben im November 2020  ein Experiment gewagt. Auch unsere Fachtagung mit dem Titel „Integrative Diagnostik und (Bewegungs-) Therapie bei Menschen mit Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen“ hätte wie viele andere Tagungen abgesagt werden müssen. Dann haben wir uns zu einem Experiment entschlossen und die Tagung ONLINE stattfinden lassen.

Geht das in der Körper- und Bewegungspsychotherapie? Diese Frage stellten wir uns und natürlich auch viele unserer Kolleg*innen. Die erste Resonanz vor der Tagung war sowohl von Ablehnung als auch Begeisterung geprägt. Und trotz aller Nachteile, es gab auch Vorteile: So konnten Kolleg*innen von Sizilien über die Niederlande bis hin nach Hamburg teilnehmen. Manche sagten:

trotz des sehr interessanten Themas hätten Sie den langen Weg nicht auf sich genommen, schon gar nicht in Corona-Zeiten“.

Nach der Tagung ist unsere Skepsis einer neuen Begeisterung gewichen und wir haben neben dem Schutz der Gesundheit, dem Vorteil nicht langer Anfahrtszeiten und teurer Übernachtungen gerade in Corona-Zeiten auch die Erkenntnis gewonnen, dass ONLINE-Medien durchaus auch für bewegungstherapeutische Fachfortbildungen (zwar in anderer Form) geeignet sind und sich hierbei ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

Daraus entstand nun in kurzer Zeit die Idee, diese Polyloge regelmäßig in kleinerer Form auch ONLINE weiterzuführen. Wir wollen dabei Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Herausforderungen von (Bewegungs-) Therapeut*innen im klinischen Alltag aufgreifen, um sie in einem gemeinsamen Austausch zu erörtern und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

In loser Reihenfolge werden  Fachleute zu den verschiedensten Themengebieten der Körperpsychotherapie, sei es übungszentriert, erlebniszentriert oder konfliktzentriert einladen. Die Themen werden u.a. Embodimentsforschung, Körperpsychotherapie bei verschiedenen klinischen Krankheitsbildern, körpertherapeutische Methoden und Techniken und Diagnostik sein. Polyloge bieten neben dem Vortrag von Fachleuten, einen diskursiven Austausch und eine Möglichkeit Kontakte zu neuen Kolleg*innen aufzubauen.

Dazu laden wir Sie herzlich ein. Natürlich sind solche Veranstaltungen mit Kosten verbunden und wir müssen Ihnen  hierzu einen kleinen Betrag  berechnen um die Unkosten zu decken. Für die Mitglieder der „Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie“ ist diese Veranstaltung frei.
Studierende erhalten einen Sonderpreis (s. Buchung).

Was ist ein Polylog?

»Polylog wird verstanden als vielstimmige Rede, die den Dialog zwischen Menschen umgibt und in ihm zur Sprache kommt, ihn durchfiltert, vielfältigen Sinn konstituiert oder einen hintergründigen oder untergründigen oder übergreifenden Polylogos aufscheinen und „zur Sprache kommen“

läßt – vielleicht ist dies ein noch ungestalteter, „roher Sinn“ im Sinne Merleau-Pontys (1945, 1964) oder ein „primordialer Sinn“, (Petzold 1978c), eine „implizite Ordnung“ (Bohm), die auch schon die Gestaltungsmöglichkeiten und -formen enthält oder „chaotischen Sinn“ – warum nicht? – Polylog ist der Boden, aus dem Gerechtigkeit hervorgeht; sie gedeiht nicht allein im dialogischen Zwiegespräch, denn sie braucht Rede und Gegenrede, Einrede und Widerrede, bis ausgehandelt, ausgekämpft werden konnte, was recht, was billig, was gerecht ist, deshalb ist er der Parrhesie, der freien, mutigen, wahrhaftigen Rede, verpflichtet. – Polylog ist ein kokreatives Sprechen und Handeln, das sich selbst erschafft. – Polylog ist aber auch zu sehen als „das vielstimmige innere Gespräch, innere Zwiesprachen und Ko-respondenzen nach vielen Seiten, die sich selbst vervielfältigen“.  Das Konzept des Polyloges bringt unausweichlich das Wir, die strukturell anwesenden Anderen, in den Blick, macht die Rede der Anderen hörbar oder erinnert, daß sie gehört werden müssen – unbedingt! Damit werden die Anderen in ihrer Andersheit (Levinas), in ihrem potentiellen Dissens (Foucault), in ihrer Différance (Derrida), in ihrer Mitbürgerlichkeit (Arendt) prinzipiell „significant others“, bedeutsame Mitsprecher für die „vielstimmige Rede“ (Bakhtin), die wir in einer humanen, konvivialen Gesellschaft, in einer Weltbürgergesellschaftschaft brauchen« (Petzold 1988t/2002c).

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