Polyloge Information

In Memoriam: LAURA SHELEEN

14.09.021, 19.00 Uhr

Bewegung um der Bewegung willen scheint mir wie l`art pour l`art ein Zeichen für einen möglichen Autismus zu sein, für eine gewisse Verweigerung, die Kommunikation aufzunehmen, und dafür, sich in einen imaginären Narzißmus einzuschließen.
– 
Laura Sheleen 1986

 

 

 

 

Mit dem Tod von Laura Sheleen (28.5.1925 – 18.5.2021) hat uns eine außergewöhnliche Pädagogin für Körper, Tanz und Bewegung verlassen. Sie war zugleich Pionierin der Körpertherapie (Moscovici 1989) und Begründerin einer ganz eigenen Methode, die auf Theatertechniken, Bewegung und Psychodrama basiert: Mythodrama.

Sie hatte u.a. bei Martha Graham Tanz studiert, die durch die Psychologie C.G. Jungs beeinflusst war.

In Paris machte Laura Sheleen eine langjährige Analyse bei einem Psychoanalytiker jungianischer Richtung und arbeitete später mit analytischen Psychoanalytikern in gemeinsamer Gruppenarbeit: morgens arbeiteten die Analytiker auf ihre Weise mit den Träumen, während Laura das nachmittags „auf die Bühne brachte“. Trauminhalte wurden in Bewegung, Tanz und Maskenspiel verkörpert und leiblich-szenisch bearbeitet.

Laura hat viele Jahre am Fritz Perls Institut Expression/ Impression Corporelle unterrichtet und viele Therapeut*innen inspiriert und beeinflusst. Ihre Arbeit wurde unter anderem geprägt durch die Auseinandersetzung mit dem symbolischen Raum und der symbolischen Zeit. Aus ihren Studien der Symbole unterschiedlicher Kulturen und Weisheitslehren entstanden Tanzrituale, die von vielen Lehrtherapeut*innen des FPIs in den Ausbildungsgruppen v.a. der Integrativen Bewegungstherapie getanzt wurden.

Ihre Tanzrituale wie „The Ring“ und „The Soufi“ wurden in ihrer therapeutischen Wirkung erlebt und wertgeschätzt.

Im Polylog am Dienstag 14. September 2021 ab 19.00 Uhr werden wir die Arbeit diese wunderbaren Therapeutin würdigen.

Prof. Martina Peter-Bolaender und Esther Böhlcke werden sich mit Martin J. Waibel im Gespräch über das Wirken und Schaffen von Laura Sheleen austauschen.

Der Zugang zu diesem Polylog ist diesesmal kostenfrei und kann über www.ibt-verein.de/polylog gebucht werden. Wir danken Prof. Dr. Martina Peter-Bolaender und Esther Böhlcke für diesen unterstützenden und ehrenamtlichen Einsatz.

V.i.S.d.P.: DGIB, Martin J. Waibel, Aulendorf

Bildung ist ein zentraler Bestandteil unseres erfolgreichen bewegungstherapeutischen Handelns.

Gerade im Jahr 2020 mussten jedoch viele von uns zum ersten mal erkennen, wie auch unsere Weiterbildungsmöglichkeiten durch die Pandemie erheblich eingeschränkt wurden.

Doch: es muss weitergehen!

Wir haben im November 2020  ein Experiment gewagt. Auch unsere Fachtagung mit dem Titel „Integrative Diagnostik und (Bewegungs-) Therapie bei Menschen mit Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen“ hätte wie viele andere Tagungen abgesagt werden müssen. Dann haben wir uns zu einem Experiment entschlossen und die Tagung ONLINE stattfinden lassen.

Geht das in der Körper- und Bewegungspsychotherapie? Diese Frage stellten wir uns und natürlich auch viele unserer Kolleg*innen. Die erste Resonanz vor der Tagung war sowohl von Ablehnung als auch Begeisterung geprägt. Und trotz aller Nachteile, es gab auch Vorteile: So konnten Kolleg*innen von Sizilien über die Niederlande bis hin nach Hamburg teilnehmen. Manche sagten:

trotz des sehr interessanten Themas hätten Sie den langen Weg nicht auf sich genommen, schon gar nicht in Corona-Zeiten“.

Nach der Tagung ist unsere Skepsis einer neuen Begeisterung gewichen und wir haben neben dem Schutz der Gesundheit, dem Vorteil nicht langer Anfahrtszeiten und teurer Übernachtungen gerade in Corona-Zeiten auch die Erkenntnis gewonnen, dass ONLINE-Medien durchaus auch für bewegungstherapeutische Fachfortbildungen (zwar in anderer Form) geeignet sind und sich hierbei ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

Daraus entstand nun in kurzer Zeit die Idee, diese Polyloge regelmäßig in kleinerer Form auch ONLINE weiterzuführen. Wir wollen dabei Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Herausforderungen von (Bewegungs-) Therapeut*innen im klinischen Alltag aufgreifen, um sie in einem gemeinsamen Austausch zu erörtern und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

In loser Reihenfolge werden  Fachleute zu den verschiedensten Themengebieten der Körperpsychotherapie, sei es übungszentriert, erlebniszentriert oder konfliktzentriert einladen. Die Themen werden u.a. Embodimentsforschung, Körperpsychotherapie bei verschiedenen klinischen Krankheitsbildern, körpertherapeutische Methoden und Techniken und Diagnostik sein. Polyloge bieten neben dem Vortrag von Fachleuten, einen diskursiven Austausch und eine Möglichkeit Kontakte zu neuen Kolleg*innen aufzubauen.

Dazu laden wir Sie herzlich ein. Natürlich sind solche Veranstaltungen mit Kosten verbunden und wir müssen Ihnen  hierzu einen kleinen Betrag  berechnen um die Unkosten zu decken. Für die Mitglieder der „Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie“ ist diese Veranstaltung frei.
Studierende erhalten einen Sonderpreis (s. Buchung).

Was ist ein Polylog?

»Polylog wird verstanden als vielstimmige Rede, die den Dialog zwischen Menschen umgibt und in ihm zur Sprache kommt, ihn durchfiltert, vielfältigen Sinn konstituiert oder einen hintergründigen oder untergründigen oder übergreifenden Polylogos aufscheinen und „zur Sprache kommen“

läßt – vielleicht ist dies ein noch ungestalteter, „roher Sinn“ im Sinne Merleau-Pontys (1945, 1964) oder ein „primordialer Sinn“, (Petzold 1978c), eine „implizite Ordnung“ (Bohm), die auch schon die Gestaltungsmöglichkeiten und -formen enthält oder „chaotischen Sinn“ – warum nicht? – Polylog ist der Boden, aus dem Gerechtigkeit hervorgeht; sie gedeiht nicht allein im dialogischen Zwiegespräch, denn sie braucht Rede und Gegenrede, Einrede und Widerrede, bis ausgehandelt, ausgekämpft werden konnte, was recht, was billig, was gerecht ist, deshalb ist er der Parrhesie, der freien, mutigen, wahrhaftigen Rede, verpflichtet. – Polylog ist ein kokreatives Sprechen und Handeln, das sich selbst erschafft. – Polylog ist aber auch zu sehen als „das vielstimmige innere Gespräch, innere Zwiesprachen und Ko-respondenzen nach vielen Seiten, die sich selbst vervielfältigen“.  Das Konzept des Polyloges bringt unausweichlich das Wir, die strukturell anwesenden Anderen, in den Blick, macht die Rede der Anderen hörbar oder erinnert, daß sie gehört werden müssen – unbedingt! Damit werden die Anderen in ihrer Andersheit (Levinas), in ihrem potentiellen Dissens (Foucault), in ihrer Différance (Derrida), in ihrer Mitbürgerlichkeit (Arendt) prinzipiell „significant others“, bedeutsame Mitsprecher für die „vielstimmige Rede“ (Bakhtin), die wir in einer humanen, konvivialen Gesellschaft, in einer Weltbürgergesellschaftschaft brauchen« (Petzold 1988t/2002c).

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