Polyloge Information

Emotionen und Bewegung – Tal Shafir, Haifa

Wie Bewegung Emotionen verändert und Emotionen uns bewegen

Dienstag 21. Juni, 18.00 Uhr (!)

Im Juni-POLYLOG betreten wir wie angekündigt die englischsprachige Welt der Leib-, Körper- und Bewegungspsychotherapie. Wir wollen hier mit bekannten Forscher*innen und Persönlichkeiten über ihre Arbeit sprechen. An diesem Abend gehen wir der Frage nach inwieweit es möglich ist, dass wir Bewegung nutzen um spezifische Emotionen zu aktivieren. Ebenso aber auch um uns emotional mit Bewegung umzustimmen oder uns aus ungünstigen Haltungen und damit verbundenen emotionalen Stimmungsmustern wie z.B. bei Angst und Depression herauszubewegen. Viele Körper- und Bewegungspsychotherapeuten arbeiten mit solchen Einstimmungen, Umstimmungen bzw. Stimmungsregulationen. Tatsächlich basiert dieses Wissen  fast nur auf theoretischen Annahmen und es fehlt an Grundlagenforschung. Und hier legt Tal Shafir einige sehr interessante Forschungsergebnisse vor.

Tal Shafir (PhD, R-DMT, CMA) aus Haifa/Israel schloss zunächst ihr  Jurastudium an der Hebräischen Universität Jerusalem ab und wurde Juristin. Dann, so sagt sie, beschloss sie ihrem Herzen zu folgen, und studierte Tanz-Bewegungs(psycho)therapie an der Universität Haifa. Nach mehreren Jahren der Arbeit mit Kindern mit neurologischen Störungen und dem Wunsch, die Behandlung zu verbessern, kehrte sie an die Universität zurück, um an der University of Michigan School of Kinesiology ihren Master Doktortitel in Bewegungskontrolle zu machen. Es folgten zwei Postdoc-Stipendien an der University of Michigan mit deren Forschungsarbeiten wir uns besonders in diesem Polylog beschäftigen wollen: Es geht um die Interaktion zwischen Bewegung und Emotion, den ihr zugrunde liegenden Gehirnmechanismen, Verhaltensäußerungen und den Möglichkeiten hier therapeutischen Anwendungen zu entwickeln. Ihre Arbeiten befassen  sich u.a. mit der der Frage inwieweit  Bewegungsausführung, Bewegungsbeobachtung und Bewegungsimaginationen  assoziierte Gefühle intensivieren. Sie versuchte ebenso herauszufinden welche Bewegungscharakteristika mit den vier Grundemotionen Wut, Angst, Trauer und Freude verbunden sind. Das sind nur Ausschnitte ihrer umfangreichen Forschungsarbeit und damit ergeben sich für die bewegungs- und körperpsychotherapeutische Praxis höchst interessante Perspektiven. Ihr TEDx-Vortrags: How your Body Affects your Happiness wurde  über 290.000 Mal aufgerufen wurde und eine ihrer  Arbeiten wurde von der israelischen Wirtschaftszeitung “The Marker” zu einer der 26 inspirierendsten Studien des Jahres 2016 gewählt. Sie ist Mitglied des Forschungsausschusses der American Dance Therapy Association, Hauptherausgeberin des Academic Journal of Creative Arts Therapies und  leitende Herausgeberin des Forschungsthemas Frontiers in Psychology.

Tal Shafir spricht englisch. Der Vortrag und der POLYLOG wird von Ann-Kathrin Bumiller übersetzt. Sie können also wie immer ganz entspannt an diesem Abend teilnehmen und gerne sich deutschsprachig mit ihren Fragen und Meinungen am POLYLOG beteiligen.

Weitere Informationen zu Tal Shafir und ihrer Arbeit finden Sie unter:

https://www.talshafir.com/

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnhum.2017.00410/full

Termin: Dienstag 21. Juni 2022 ab 18.00 Uhr (Dauer 3 UE, ca. bis 20.15 Uhr)

Bitte beachten, der POLYLOG beginnt eine Stunde früher aufgrund der Zeitunterschiede zu Israel, also MEZ 18.00 Uhr.

Anmeldung: https://ibt-verein.de/polylog

Unkostenbeitrag: 20 €

Nach der verbindlichen Anmeldung erhalten Sie einen Zugangslink, der Sie an diesem Abend teilnahmeberechtigt.

 

Was ist ein Polylog?

»Polylog wird verstanden als vielstimmige Rede, die den Dialog zwischen Menschen umgibt und in ihm zur Sprache kommt, ihn durchfiltert, vielfältigen Sinn konstituiert oder einen hintergründigen oder untergründigen oder übergreifenden Polylogos aufscheinen und „zur Sprache kommen läßt.”

Vielleicht ist dies ein noch ungestalteter, „roher Sinn“ im Sinne Merleau-Pontys (1945, 1964) oder ein „primordialer Sinn“, (Petzold 1978c), eine „implizite Ordnung“ (Bohm), die auch schon die Gestaltungsmöglichkeiten und -formen enthält oder „chaotischen Sinn“ – warum nicht? – Polylog ist der Boden, aus dem Gerechtigkeit hervorgeht; sie gedeiht nicht allein im dialogischen Zwiegespräch, denn sie braucht Rede und Gegenrede, Einrede und Widerrede, bis ausgehandelt, ausgekämpft werden konnte, was recht, was billig, was gerecht ist, deshalb ist er der Parrhesie, der freien, mutigen, wahrhaftigen Rede, verpflichtet. – Polylog ist ein kokreatives Sprechen und Handeln, das sich selbst erschafft. – Polylog ist aber auch zu sehen als „das vielstimmige innere Gespräch, innere Zwiesprachen und Ko-respondenzen nach vielen Seiten, die sich selbst vervielfältigen“.  Das Konzept des Polyloges bringt unausweichlich das Wir, die strukturell anwesenden Anderen, in den Blick, macht die Rede der Anderen hörbar oder erinnert, daß sie gehört werden müssen – unbedingt! Damit werden die Anderen in ihrer Andersheit (Levinas), in ihrem potentiellen Dissens (Foucault), in ihrer Différance (Derrida), in ihrer Mitbürgerlichkeit (Arendt) prinzipiell „significant others“, bedeutsame Mitsprecher für die „vielstimmige Rede“ (Bakhtin), die wir in einer humanen, konvivialen Gesellschaft, in einer Weltbürgergesellschaftschaft brauchen« (Petzold 1988t/2002c).

Unsere Reihe:  POLYLOGE_online

Wir haben im November 2020  ein Experiment gewagt. Auch unsere Fachtagung mit dem Titel „Integrative Diagnostik und (Bewegungs-) Therapie bei Menschen mit Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen“ hätte wie viele andere Tagungen abgesagt werden müssen. Dann haben wir uns zu einem Experiment entschlossen und die Tagung ONLINE stattfinden lassen.

Geht das in der Körper- und Bewegungspsychotherapie? Diese Frage stellten wir uns und natürlich auch viele unserer Kolleg*innen. Die erste Resonanz vor der Tagung war sowohl von Ablehnung als auch Begeisterung geprägt. Und trotz aller Nachteile, es gab auch Vorteile: So konnten Kolleg*innen von Sizilien über die Niederlande bis hin nach Hamburg teilnehmen.

Nach der Tagung ist unsere Skepsis einer neuen Begeisterung gewichen und wir haben neben dem Schutz der Gesundheit, dem Vorteil nicht langer Anfahrtszeiten und teurer Übernachtungen gerade in Corona-Zeiten auch die Erkenntnis gewonnen, dass ONLINE-Medien durchaus auch für bewegungstherapeutische und körperpsychotherapeutische Fachfortbildungen – zwar in anderer Form – geeignet sind.

Daraus entstand die Idee, diese Polyloge regelmäßig ONLINE weiterzuführen. Wir wollen dabei Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Herausforderungen von Leib-, Körper-, Bewegungs-, (Psycho)therapeut*innen im klinischen Alltag aufgreifen, um sie in einem gemeinsamen Austausch zu erörtern und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Wir laden Fachleute aus den verschiedensten Themengebieten der (Körper)Psychotherapie ein. Ab 2022 werden wir versuchen auch internationalen Kolleg*innen hier ein Forum zu eröffnen. Forschung und Praxis werden gleichsam berücksichtigt. Die POLYLOGE_online Reihe bieten neben dem Vortrag von Fachleuten, einen diskursiven Austausch mit namhaften Forschern und Praktiker*innen sowie Kontakte zu neuen Kolleg*innen aufzubauen.

Dazu laden wir Sie herzlich ein. Natürlich sind solche Veranstaltungen mit Kosten verbunden und wir müssen Ihnen  hierzu einen kleinen Betrag  berechnen um die Unkosten zu decken. Für die Mitglieder der „Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie“ ist diese Veranstaltung frei.

Der nächste Online Polylog steht bereits bevor...

Einfach von zu Hause aus Teilnehmen.

Jetzt Thema ansehen und Platz buchen!

Zur Veranstaltung
Warteliste Wir geben Bescheid, sobald es wieder Tickets zur Verfügung gibt. Wenn du dich einträgst, werden wir dich außerdem zu anderen Veranstaltungen der DGIB informieren. Dein Einverständnis kannst du jederzeit via E-Mail widerrufen.