Polyloge Information

Aggression in der Therapie – fördern oder unterbinden?

Dr. Hermann Ludwig und Martin J. Waibel

Dienstag 26. April, 19.00 Uhr

In diesem POLYLOG greifen wir ein von den Teilnehmer*innen gewünschtes und viel diskutiertes Thema auf: Die Arbeit mit Aggression in der Leib- und Körperpsychotherapie. In manchen Therapieverfahren, in Büchern, auf Homepages oder ganz einfach auch in der praktischen klinischen Arbeit sprechen Therapeut*innen nicht selten von: „wir fördern die Aggression des Patienten“ oder „der Patient sollte ein wenig aggressiver werden“, bzw. der Patient hat eine „aggressive Hemmung” usw. Viele von Ihnen haben sicherlich in der alltäglichen Praxis solche Aussagen schon gehört.

Doch ist das wirklich sinnvoll?

Wir wollen uns in diesem POLYLOG sehr kritisch mit den Begrifflichkeiten zur Aggression, mit problematischen klinischen Theorien zur Aggression, insbesondere aber mit der praktischen körperpsychotherapeutischen Arbeit an und mit aggressiven Verhaltensweisen auseinandersetzen. Was sagen die neurobiologische Forschung oder Studien zur „Aggressionsarbeit“? Was ist sinnvoll und was ist schädlich für unsere Patient*innen? Sollen wir einerseits „gehemmten Patient*innen“ zu mehr Aggression raten und diese fördern? Und wie gehen wir andererseits mit Patient*innen um, die in Reaktion auf vermeintliche Bedrohungen gewalttätig reagieren oder die gar Lust oder rauschartige Zustände beim Ausüben von Gewalt erleben?

Wie ist hierzu die Haltung der Integrativen Leib- und Körpertherapie und der Integrativen Therapie?

Das sind nur einige Aspekte die sicherlich zu einem intensiven POLYLOG an diesem Abend führen werden.

Dr. Hermann Ludwig ist Sportwissenschaftler und lehrt an der EAG Integrative Leib- und Bewegungstherapie sowie Integrative Budōtherapie. Von 2015 bis 2021 arbeitete er u.a. im Männerbüro Hannover mit sexuell grenzverletzenden Jugendlichen, Straftätern im Bereich allgemeine Gewalt und mit Erwachsenen im Bereich sexualisierte Gewalt. Seit 2011 Arbeit in der Suchttherapie an der Klinik am Kronsberg. Schwerpunkt ist hier die Bewegungstherapie zur Impuls- und Affektregulation.

 

 

 

Dipl. Sup. Martin J. Waibel, MSc arbeitete als Leiter einer spezialtherapeutischen Abteilung 41 Jahre an einer psychosomatisch/ psychotherapeutischen Klinik mit den verschiedensten Patientengruppen (u.a. Depression, Angst, Schmerz, psychiatrische Erkrankungen, Abhängigkeits-erkrankungen, Junge Erwachsene) u.a. mit emotionaler Differenzierungsarbeit und der Regulation zerstörerischer Gefühle. Aktuell als Körperpsychotherapeut, Supervisor, und Lehrtherapeut (Integrative Therapie) in eigener Praxis und lehrt u.a. zum Thema an Fach- und Hochschulen sowie in Seminaren.

 

 

Termin: 26. April  ab 19.00 Uhr (Dauer 3 UE, ca. bis 21.15 Uhr)

Anmeldung: https://ibt-verein.de/polylog

Unkostenbeitrag: 10 €

Nach der verbindlichen Anmeldung erhalten Sie einen Zugangslink der Sie an diesem Abend teilnahmeberechtigt.

Literatur und weitere Infos zum Thema:

https://www.fpi-publikation.de/integrative-bewegungstherapie/02-2008-hoehmann-kost-a-siegele-f-auf-dem-weg-zur-aggressionsregulationskompetenz-perspektiven-und-praxis-aus-sicht-der-integrativen-leib-und-bewegungstherapie/

https://www.fpi-publikation.de/gruene-texte/22-2017-petzold-h-g-2006h-aggressionsnarrative-ideologie-und-friedensarbeit-integrative/

https://www.fpi-publikation.de/polyloge/06-2011-petzold-h-g-2001d-2011n-konstruktive-aggression-goodmansche-gestalttherapie-als/

Was ist ein Polylog?

»Polylog wird verstanden als vielstimmige Rede, die den Dialog zwischen Menschen umgibt und in ihm zur Sprache kommt, ihn durchfiltert, vielfältigen Sinn konstituiert oder einen hintergründigen oder untergründigen oder übergreifenden Polylogos aufscheinen und „zur Sprache kommen läßt.”

Vielleicht ist dies ein noch ungestalteter, „roher Sinn“ im Sinne Merleau-Pontys (1945, 1964) oder ein „primordialer Sinn“, (Petzold 1978c), eine „implizite Ordnung“ (Bohm), die auch schon die Gestaltungsmöglichkeiten und -formen enthält oder „chaotischen Sinn“ – warum nicht? – Polylog ist der Boden, aus dem Gerechtigkeit hervorgeht; sie gedeiht nicht allein im dialogischen Zwiegespräch, denn sie braucht Rede und Gegenrede, Einrede und Widerrede, bis ausgehandelt, ausgekämpft werden konnte, was recht, was billig, was gerecht ist, deshalb ist er der Parrhesie, der freien, mutigen, wahrhaftigen Rede, verpflichtet. – Polylog ist ein kokreatives Sprechen und Handeln, das sich selbst erschafft. – Polylog ist aber auch zu sehen als „das vielstimmige innere Gespräch, innere Zwiesprachen und Ko-respondenzen nach vielen Seiten, die sich selbst vervielfältigen“.  Das Konzept des Polyloges bringt unausweichlich das Wir, die strukturell anwesenden Anderen, in den Blick, macht die Rede der Anderen hörbar oder erinnert, daß sie gehört werden müssen – unbedingt! Damit werden die Anderen in ihrer Andersheit (Levinas), in ihrem potentiellen Dissens (Foucault), in ihrer Différance (Derrida), in ihrer Mitbürgerlichkeit (Arendt) prinzipiell „significant others“, bedeutsame Mitsprecher für die „vielstimmige Rede“ (Bakhtin), die wir in einer humanen, konvivialen Gesellschaft, in einer Weltbürgergesellschaftschaft brauchen« (Petzold 1988t/2002c).

Unsere Reihe:  POLYLOGE_online

Wir haben im November 2020  ein Experiment gewagt. Auch unsere Fachtagung mit dem Titel „Integrative Diagnostik und (Bewegungs-) Therapie bei Menschen mit Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen“ hätte wie viele andere Tagungen abgesagt werden müssen. Dann haben wir uns zu einem Experiment entschlossen und die Tagung ONLINE stattfinden lassen.

Geht das in der Körper- und Bewegungspsychotherapie? Diese Frage stellten wir uns und natürlich auch viele unserer Kolleg*innen. Die erste Resonanz vor der Tagung war sowohl von Ablehnung als auch Begeisterung geprägt. Und trotz aller Nachteile, es gab auch Vorteile: So konnten Kolleg*innen von Sizilien über die Niederlande bis hin nach Hamburg teilnehmen.

Nach der Tagung ist unsere Skepsis einer neuen Begeisterung gewichen und wir haben neben dem Schutz der Gesundheit, dem Vorteil nicht langer Anfahrtszeiten und teurer Übernachtungen gerade in Corona-Zeiten auch die Erkenntnis gewonnen, dass ONLINE-Medien durchaus auch für bewegungstherapeutische und körperpsychotherapeutische Fachfortbildungen – zwar in anderer Form – geeignet sind.

Daraus entstand die Idee, diese Polyloge regelmäßig ONLINE weiterzuführen. Wir wollen dabei Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Herausforderungen von Leib-, Körper-, Bewegungs-, (Psycho)therapeut*innen im klinischen Alltag aufgreifen, um sie in einem gemeinsamen Austausch zu erörtern und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Wir laden Fachleute aus den verschiedensten Themengebieten der (Körper)Psychotherapie ein. Ab 2022 werden wir versuchen auch internationalen Kolleg*innen hier ein Forum zu eröffnen. Forschung und Praxis werden gleichsam berücksichtigt. Die POLYLOGE_online Reihe bieten neben dem Vortrag von Fachleuten, einen diskursiven Austausch mit namhaften Forschern und Praktiker*innen sowie Kontakte zu neuen Kolleg*innen aufzubauen.

Dazu laden wir Sie herzlich ein. Natürlich sind solche Veranstaltungen mit Kosten verbunden und wir müssen Ihnen  hierzu einen kleinen Betrag  berechnen um die Unkosten zu decken. Für die Mitglieder der „Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie“ ist diese Veranstaltung frei.

Der nächste Online Polylog steht bereits bevor...

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